Aus quEAR!, den Trans*tonalen Ohrenfesten ist ein quEAR!lige Gruppe geworden, die sich in Berlin immer wieder neu formiert und Hörstücke, Audioperformances und Klanginstallationen zu Gehör bringt, die sich mit den Themen Trans*, Inter und Queer Intervention befassen. Wir haben zwei Hörfestivals 2011 und 2013 veranstaltet, die auf dem Bauwagenplatz „Kanal“ und im alternativen Kino-Projekt „Zukunft am Ostkreuz“ stattfanden. 2015 veranstalteten wir das internationale Hörfest ECHOS+NETZE im Kunstquartier Bethanien. quEAR! ist auch Mitglied im Netzwerk Diskriminierungsfreie Szenen. Mit unseren Hörbeiträgen tauchen wir auch immer wieder an ungewohnten Orten auf. Hört quEAR!

quEAR! ist eine Wortschöpfung aus queer und ear bzw. hear!. Wobei queer hier nicht als Synonym für „schwul-lesbisch“ steht, sondern als offene Handlungsanweisung, die sehr viel mehr beinhaltet als die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität der Einzelnen. Queer sein bedeutet eigentlich, verquer oder eigenartig, auch verrückt zu sein. Der englische Begriff bezeichnet die Abweichung von der Norm und die damit verbundene Herausforderung und Infragestellung der Grenzen, die von der Mehrheitsgesellschaft gesetzt werden. Queer ist für uns auch eine Utopie, nicht im bürgerlichen Sinne von Weltfremdheit, sondern im Sinne eines Ortes, der nicht ist, den es noch nicht gibt, der aber benannt werden kann und den es unentwegt zu schaffen gilt.

Wir fördern den künstlerischen und politischen Austausch über Audio. Wir möchten Leute animieren, Audio als Werkzeug zu benutzen, um in heterosexistische, transphobe, rassistische und kapitalistische Verhältnisse zu intervenieren.

Das Medium Audio ist für die Thematisierung von trans*, inter und queeren Themen, Lebensweisen, Praktiken und Politiken noch unterrepräsentiert. Wir wollen deshalb Möglichkeiten aufzeigen, wie es in seiner Vielgestaltigkeit eingesetzt werden kann, um künstlerisch und politisch aktiv zu werden. Die Aufforderung zu hören (quEAR!), setzt auf die Autonomie der eigenen Bilder, die beim Hören entstehen. Wir wollen aufzeigen wie breit und wichtig die Möglichkeiten sind und in welcher Hinsicht der Schwerpunkt auf Audio dazu beitragen kann, gesellschaftliche Veränderung zu bewirken.

Wir möchten mit unseren Hörbeiträgen, Klangperformances und Soundinstallationen dieser eher leisen Form des Aktivismus Raum geben und auch in Workshops die Möglichkeit bieten, sich darin auszuprobieren. quEAR! schafft auf diese Weise Orte der politischen und künstlerischen Auseinandersetzung, des Austauschs und Empowerments. Wir wollen in dieser neuartigen Form einerseits die Besonderheit, Wirkmächtigkeit und Schönheit von Audio präsentieren, andererseits sollen queere Perspektiven in der Audio-Landschaft wachsen und vielfältiger werden.